Ein Buch für sonnige Tage: Der verhüllte Blick

  • 11. Aug. 2009    
  • Judith Schwarzer  
  • Aktuelles

Kennst du jemanden der keine Sonnenbrille hat? Jemanden der nicht sogar zwei besitzt oder eine kleine Auswahl? Jemanden der sie nur im Sommer trägt, wenn das Licht blendet? Und nicht zu ihr greift um die müden Augen nach einer langen Nacht zu verbergen?

Der verhüllte Blick – ein charmanter Buchname für die Kulturgeschichte der Sonnenbrille. Die Autorin, Karin Hartewig, beschreibt die  Anfänge des Sonnenschutzes bis zu ihrer heutigen unersetzlichen Popularität. Die 150 Seiten ihres Buches beschreiben eine kleine Geschichte der Sonnenbrille. Völlig unterschiedliche Menschen verbindet dieser Sonnenschutz: Diktatoren mit Pazifisten, Fashion-Victims mit Erblindeten, Filmschauspieler mit Piloten und Bademeistern, Diven mit Bodyguards.

Begonnen hat es schon mit den Römern und den Eskimos, die sich einen funktionalen Sonnenschutz aus primitiven Mitteln fertigten. So schnitzten sich die Bewohner der Arktis Sehschlitze in Seehundsrippen. Die heutigen Modemodelle entstanden jedoch erst im 20. Jahrhundert. Erstaunlich welch rasante Entwicklung die Sonnenbrille in siebzig Jahren gemacht hat und was für eine fundamentale Rolle sie in der heutigen Gesellschaft spielt.

Sonnenbrillen sollen heute nicht mehr primär vor Sonne, Schmutz, UV-Strahlen und Wind schützen, sondern sie werden zu einem Accessoire. Sie bekommen völlig neue Relevanzen als Kultobjekt, Luxusgegenstand, als Mittel zur Selbstinszenierung und Verhüllung.

Sonnenbrillenträger wirken unerreichbar und isoliert, sie wollen Diskretion und Distanz. Sie können mit der Brille spielen und sich einmal distanziert und einmal offen zeigen, ausgelöst durch das bloße Auf- und Absetzen. Hartewig macht in ihrem Buch deutlich, dass die Brille immer für etwas steht und ein Bild im Gegenüber erzeugt: Demokraten sollen durchschaubar und ehrlich, erreichbar wirken- weshalb viele Politiker den Augenschutz vermeiden. Stars hingegen wirken auf uns mit ihren XXL-Brillen, als würden sie Schutz und Privatsphäre vor den Kameras der Boulevardjournalisten suchen.

Mittlerweile gibt es unzählige verschiedene Modelle von den französischen Chic-Modellen bis hin zur beliebten Pilotenbrille, von Dior bis Ray Ban. Sie können kompakt, biegsam, elegant, groß, sportlich, einfach, stilvoll und extravagant sein. Interessanterweise schaffen es, trotz der breiten Spannbreite der Formen, Farben und Modelle, doch nur einzelne Brillentypen von den Regalen der Läden bis in die Städte.

„Der verhüllte Blick“, ist die passende Lektüre für einen warmen Sommertag. Ein Abriss einer ganz besonderen Biographie und ein Fokus auf eines der wichtigsten Modeutensile unserer Gegenwart.

Karin Hartewig: Der verhüllte Blick. Kleine Kulturgeschichte der Sonnenbrille. Jonas Verlag, Marburg 2009. 152 Seiten, 15 Euro u.a. bei amazon.de.


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