Hornhautverkrümmung: Knick in der Optik?

  • 11. Jun. 2009    
  • Judith Schwarzer  
  • Allgemein

Eine unregelmäßig gekrümmte Hornhaut führt zur sogenannten Stabsichtigkeit (Astigmatismus). Einfallende Lichtstrahlen können auf der Netzhaut nicht in einem Punkt gebündelt werden. Punkte werden zu Linien.

Der medizinische Begriff Astigmatismus kommt aus dem Griechischen und bedeuted soviel wie Punktlosigkeit. „Stigma“ heißt Punkt, „Astigma“ entsprechend das Gegenteil, eben „kein Punkt“.

Im optimalen Fall hat das Auge eine gleichförmige Krümmung, bei der sowohl seitlich als auch frontal einfallende Lichtstrahlen im gleichen Punkt gebrochen werden. Bei einer speziellen Krümmung bzw. Verkrümmung besteht ein Ungleichgewicht zwischen horizontaler und vertikaler Achse, so dass die Brechkraft dieser beiden Achsen verschieden sein kann. Auf der Netzhaut des Auges entstehen dadurch mehrere laufende Brennpunkte. Je stärker die Achsen voneinander abweichen, desto ausgeprägter der Astigmatismus.

Das Auge hat also Probleme damit, eine Ebene zu fokussieren. Ob in der Nähe oder in der Ferne, Menschen mit Hornhautverkrümmung nehmen ihre Umgebung tendenziell verzerrt wahr. Das Bild erscheint in die Länge oder Breite gezogen. Um dieses Problem auszugleichen, versucht das Auge durch permanente Akkomodation ein scharfes Bild zu erreichen. Hierzu arbeiten viele winzige Muskeln, sog. Ziliarmuskeln, um das Scharfstellsystem der Linse zu aquirieren. Eine ständige Belastung dieses Systems kann unter Umständen zu starken Kopfschmerzen führen.

Meist steckt hinter diesem Problem des verzerrten Sehens eine angeborene Hornhautverkrümmung. Häufig tritt Stabsichtigkeit zusammen mit Kurz- oder Weitsichtigkeit auf. Fast die Hälfte der Deutschen zeigt dieses Krankheitsbild in milder Ausprägung. Bei nur einem geringen Anteil ist die Stabsichtigkeit so stark, dass sie korrigiert werden muss.

Korrektionsmöglichkeiten

Das durch die Hornhautverkrümmung entstehende Achsenungleichgewicht lässt sich ganz leicht mit speziellen Brillengläsern ausgleichen. Hierzu werden in den Brillengläsern spezielle Zylinder eingeschliffen, die den Einfall der Lichtstrahlen wieder soweit korrigieren, dass sie in einem Punkt auf der Netzhaut eintreffen. Damit werden die Objekte wieder einwandfrei fokussiert und das Bild ohne Verzerrungen abgebildet.

Auch Kontaktlinsen eignen sich sehr gut zur Korrektur von Stabsichtigkeit. Durch ihre Eigenschaft direkt auf dem Auge zu schwimmen, bügeln diese Sehhilfe die Hornhautverkrümmung quasi wieder aus. Besonders geeignet sind hier formstabile Kontaktlinsen oder spezielle Weichlinsen, sog. torische Linsen (bpsw. Acuvue Advance for Astigmatism oder Air Optix for Astigmatism), die speziell zum Ausgleich von astigmatischen Fehlsichtigkeiten angefertigt wurden. Milde Hornhautverkrümmungen bis 0,5 Dioptrien können unter Umständen auch mit einfachen Kontaktlinsen ausgeglichen werden, die auf den Durchschnittswert von Sphäre und Zylinder angepasst werden.


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