INTERVIEW: „Brillen sind wie Schuhe, nur eben im Gesicht.“

  • 09. Mrz. 2010    
  • Judith Schwarzer  
  • Allgemein

Ende des vergangenen Jahres kam Katrin Gabriel auf uns zu, eine Studentin der renommierten Modeschule AMD Düsseldorf. Sie wollte Sonnenbrillen für ein Modeshooting im Rahmen ihrer Abschlussarbeit leihen und fand, dass die Ray-Ban Wayfarer gut ins Bild passte. Ich nutzte die Gelegenheit für ein ausführliches Interview in Sachen Brillenmode.

Weshalb hast Du Dich für Modedesign entschieden? Was ist das Besondere an der Mode bzw. Modedesigner zu sein?
Mir war immer schon klar, dass ich einen kreativen Beruf lernen wollte. Ich war schon im Kindergarten mit Buntstiften zu begeistern. Ich fing dann auch früh an, mich für Mode zu interessieren. Es war die typische, glitzernde Modewelt, die mich damals fasziniert hat. Besonders an der Mode ist, dass es nie langweilig wird. Es kommt immer wieder etwas Neues auf einen zu. Mit jeder Saison hat man eine neue Chance was ganz Großes, Eigenes zu schaffen. Klar, vieles wiederholt sich auch, aber nie genau so.

Als Modedesignerin bist du ganz nah bei den Trends. Wie sehen deine Trendprognosen 2010 aus?
Das mit den Trends ist so eine Sache. Viele Menschen glauben ja, die Designer würden die Trends machen. Aber eigentlich kommen die Trends direkt von den Menschen. Gesellschaftliche Trends kommen irgendwann auch in der Mode an. Und ein guter Designer ist in der Lage, das frühzeitig zu erkennen und umzusetzen. Für Frühjahr/ Sommer 2010 wird alles wieder bunter, es gibt grafische Muster in allen Variationen, von Blumen bis zu Streifen. Muster sind allgemein ein Thema, es werden auch Muster aus Teilen ausgeschnitten, sogenannte ‚out cuts‘. Metallics sind auch immer noch ein Thema. Außerdem habe ich mir sagen lassen, die 90er kommen zurück.

Du hast für Deine Fotos Sonnenbrillen bei Mister Spex ausgeliehen. Wie bist Du auf uns gekommen?
Mister Spex kannte ich aus der Fernseh- und Internetwerbung. Und als ich eine Anfrage geschickt habe, wurde ich direkt sehr freundlich und unkompliziert empfangen. Das ist nicht selbstverständlich, ich hab schon ganz andere Dinge erlebt. Als Student kann man die Ideen, die man im Kopf hat, die Ausstattung der Models nicht immer selber finanzieren. Da muss man auf die Suche nach Sponsoren gehen. Ich bin sehr dankbar, dass Mister Spex mich unterstützt hat.

Bei Deinem Fotoshooting tragen die Models ausschließlich Wayfarer-Modelle. Weshalb hast du dich ausgerechnet für diese Brille entschieden? Was hat die Wayfarer, was andere Brillen nicht haben?
Die Wayfarer ist ein Evergreen. Das Modell aus den 50er Jahren ist klassisch, war schon in den 80ern das Must-have und erlebt seit einigen Jahren wieder ein riesen Comeback. Schon Musiker wie Buddy Holly oder the Blues Brothers haben zu ihrer Zeit die Wayfarer getragen. Die 50/60er Jahre Mode der Rockabillies sieht man allgemein seit einiger Zeit wieder überall. Alles ist rockiger geworden, viel Schwarz, Nieten und Lederjacken an jeder Ecke, Vintage, da passt die Wayfarer perfekt rein. Das ist der Look von Ikonen wie James Dean, der nie aus der Mode kommt. Immer leicht verändert, der Zeit angepasst, aber nicht wegzudenken. Auch für meine Kollektion waren Menschen wie James Dean eine Inspiration. Daher passte die Wayfarer perfekt, auch wenn ich weder Nieten, noch schwarze Lederjacken gemacht habe. Ich fand den etwas anderen Mix interessant.

Wenn man behauptet, Mode sei eine eigene Sprache, dann trägt jedes Kleidungsstück eine eigene Aussage in sich. Welches Statement kann man mit einer Brille setzen?
Mit einer Brille kann man ein sehr genaues Statement setzen. Damit kann man seinem Outfit den letzten Schliff geben oder noch mal eine komplett andere Richtung. Von den sogenannten Nerd-Brillen bis zu Sonnenbrillen aller Art. Brillen fallen mehr ins Auge als jedes andere Accessoire. Wer auffallen will, kauft sich keine Tasche, die er im Restaurant unter den Tisch stellt, er kauft sich eine Brille und trägt damit sein Mode-Statement mitten im Gesicht. Viele mode- und selbstbewusste Leute, die ich kenne, haben ihre Kontaktlinsen abgelegt und sind auf riesige Brillen umgestiegen. Oder Leute, die gar keine Brille brauchen, tragen sie mit Fensterglas. Von wegen, man versteckt sich hinter einer großen
Brille… man fällt auf.

Innerhalb der Modebranche fanden Brillen lange Zeit allenfalls nur am Rande Gefallen. Jetzt schicken sogar namhafte Designer wie Jil Sander oder Moschino ihre Models mit den teilweise äußerst strengen Sehhilfen über den Laufsteg. Wie lässt sich das Deiner Meinung nach erklären? Welchen Stellenwert haben Brillen heute im Kontext der Mode?
Accessoires sind allgemein immer wichtig, weil sie ein Outfit aufwerten, aber natürlich auch abwerten können, wenn sie schlecht kombiniert sind. Aber es stimmt, Brillen sind gerade sehr wichtig geworden. Taschen z.B. gab es immer und wird es immer geben, aber Brillen haben in letzter Zeit einen großen Zuwachs bekommen. So ist das in der Mode, hat es einer, wollen es alle. Brillen standen länger nicht so im Mittelpunkt aber gerade jetzt sind sie sehr wichtig.Ich persönlich denke, dass der Trend sich noch halten wird. Heißt, die Brillen entwickeln sich jetzt, es wird über die verschiedenen Saisons immer mehr verändert, und dann kommt wieder ein neuer, meist gegensätzlicher Trend.

Welche modischen Vorzüge hat eine Brille? Kann man mit einer Brille bestimmte Effekte erzielen, die man mit keinem anderen Kleidungsstück oder Accessoire erreichen kann?
Brillen sind ja kein rein modisches Accessoire wie z.B. Schmuck. Schmuck braucht man nicht, aber eine Brille ist eine Sehhilfe und somit verbindet man das Modische/ Dekorative mit dem Nützlichen. Ich würde sie mit Schuhen vergleichen. Brillen sind wie Schuhe, nur im eben Gesicht.

Gibt es ein absolutes No-Go bei Brillen? Wo beißen sich Outfit und Brille, was geht und was geht nicht?
Allgemein gilt (fast) immer, ‚weniger ist mehr‘. Wenn ich ein schrilles Outfit trage und behängt bin wie ein Weihnachtsbaum, sollte ich nicht noch zusätzlich eine riesige Brille tragen. Es sei denn, der Look ist mein Markenzeichen und die Leute kennen mich nur so. Aber das ist ja bei den meisten Leuten nicht der Fall. Man sollte farblich aufpassen. Wenn man jemand ist, der nur schwarz trägt, kann man eine knall bunte Brillenkollektion zu Hause haben. Kleidet man sich aber gerne bunt, ist vielleicht eine schwarze, graue oder braune, eher farblich unauffällige Brille sinnvoller. Allgemein kann man bei Mode und natürlich auch bei Brillen viel falsch machen. Ich finde es wichtig, dass man nicht jedem Trend
hinterher läuft. Man merkt auch sofort, ob sich jemanden wohl fühlt oder sich verkleidet hat um ‚in‘ zu sein. Wenn man sich selbst treu bleibt und nur das für sich selbst umsetzt und adaptiert, was zu einem passt und einem gefällt, gibt es kein No-Go. Das ist das Tolle an der Mode, an kann sich immer wieder verändern und neu erfinden.

Shortfacts:
Katrin Gabriel
* 11.07.1985 in Viersen
2006-2009 Modedesign-Studium an der AMD Düsseldorf
2008 Praktikum bei Stephan Schneider Antwerp

Bildercredit: Homepage des Fotografen Julian Paul Umbach
http://www.paule-pictures.de/

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